Ein Hund braucht keinen Social-Media-Account!

Ein Hund braucht keinen Social-Media-Account!

by Cinnamon

FRENCH-TALK

mit Cinnamon

"Ein Hund braucht keinen Social-Media-Account!"

 

Das heutige Thema klingt zunächst kontrovers und provokant, jedoch stimme ich der Aussage voll und ganz zu. Ein Hund braucht tatsächlich nicht einen sondern wie in meinem Fall sogar drei Accounts, um seine Botschaften als kulturelles Angebot darzubieten! Irgendjemand muss euch Zweibeinern ja klarmachen, dass Kultur entgegen aktuell anders lautender Meinungen systemrelevant ist. Sie ist vielmehr noch durch ihre Identität stiftende Wirkung existentiell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt!

Damit haben wir schon mal angerissen, warum ich, stets mit einem virtuellen Spiegel unter dem Vorderlauf, in Sozialen Medien unterwegs bin. Doch wie ist es eigentlich mit Euch? Seid ihr eher die Konsumenten, die auf der Suche nach Zerstreuung abendlich mal schnell ein paar hundert Bilder auf Instagram durchscrollen und hier und da gelegentlich gönnerhaft ein Like da lassen? Oh sorry, zu denen gehört ihr geneigt Lesenden natürlich nicht, dann würde euch ein Text wie dieser, nur aufhalten! Bewegt euch eher eine leicht voyeuristische Motivation? Es gibt ja nichts, was man nicht zu sehen oder lesen bekommt, nach dem Motto, ich hinterlasse im Restaurant nicht meinen Namen für die Kontaktpersonennachverfolgung, habe aber sowohl meinen Standort, als auch meine Tischnachbarn und mein Essen im Netz gepostet.

Was motiviert euch, vielleicht selbst, Achtung Neudeutsch, Content zu kreieren? Eine mögliche und häufig nicht formulierte, jedoch beobachtbare Triebkraft ist der Wunsch nach Relevanz. Soll heißen, die Menge vermeintlich interessierter Follower (Darf ich einen denglischen Begriff eigentlich gendern?) eines Accounts wird als Gradmesser für die eigene Beliebtheit gewertet. Naheliegend ist dann, dass viele nach Möglichkeiten suchen, um eben diese Zahl zu erhöhen, im Bestreben mehr wahrgenommen zu werden und vermeintlich beliebter zu sein. Das ist in Hundelogik übersetzt ein virtuelles Aufdenrückenwerfen mit Liebkucken und Schwanzwedeln. Funktioniert das nicht, ist zunächst der Algorithmus verantwortlich. Das ist das mysteriöse Programm, was Beiträge anhand der Resonanz der Internetgemeinde auf Relevanz prüft und damit über die Verbreitung entscheidet. Also in Hundelogik, der Postbote, der Leckerlies in der Tasche hat.

So ihr Lieben, damit kommen wir an den Punkt, dass wir mal darüber reden müssen, warum gerade wir Hunde von euch Menschen mit Unterwürfigkeit in Verbindung gebracht werden! Wenn man euch im Netzt beobachtet, dann ist Follow für Follow oder ich like dich nur, wenn du mich auch likest noch das banalste und übrigens dem gegenseitigen am Hintern riechen schon ziemlich nahe. Mit dem Unterschied, dass dies bei uns Hunden ein echter Sozialkontakt und kein hilfloser Versuch ist, auf sich aufmerksam zu machen. Dieser, sorry, dass ich hier eine weitere Spezies heranziehe, Kuhhandel zielt eben einzig und allein auf eine gegenseitige Unterstützung bei der Erhöhung der als Beliebtheitsskala identifizierten Zahlen ab. Die der „Gefällt-mir“-Angaben unter einem Beitrag und die der Follower.

Dieses, ich muss es so nennen, Ergaunern von Relevanz treibt Stilblüten, wie dem Zusammenschluss in Gruppen, in welchen man sich gegenseitig supportet. Natürlich nur freiwillig, aber wer nicht mitmacht, findet keine Beachtung. Die Folge ist ein wahlloses Liken jeglicher Veröffentlichungen, mit dem Ziel der Gegenleistung und der Konsequenz, dass der auf Relevanz programmierte Algorithmus Beiträge nicht aufgrund ihrer Attraktivität sondern durch unselektiven Support verbreitet! Das ist, Achtung Hundelogik, als wenn ich dafür gelobt werde, wenn ich meinen schönsten Haufen in eurem Bett drapiere, nur damit ihr meine Gunst nicht verliert!

Wo ich gerade so schön in Fahrt bin, ihr Menschen seid bekannt dafür, als einzige Spezies die Destruktivität zu kultivieren. Denn die Opfer eines solchen Kommunikationsverhaltens seid ihr selbst. Damit beißen sich sprichwörtlich nicht nur Katzen selbst in den Schwanz. Auf der Suche nach Bestätigung erkauft ihr euch inhaltslose Lippenbekenntnisse!

Vorübergehende Verlierer sind jene, deren Accounts liebevoll, attraktiv und informativ gestaltet sind! Denen wünsche ich insbesondere Durchhaltevermögen, da sich die Qualität letztendlich durchsetzt! Zu erkennen ist das an vielen inaktiven Accounts, deren Betreiber den Aufwand zum Selbstbelügen nicht durchgehalten haben und keine kulturellen Werte hinterlassen, deren Erhalt sich gelohnt hätte. Ein Hund, der keine Duftmarke hinterlässt, kann sich das Markieren sparen!

Sicher gibt es kein Rezeptbuch für einen tollen medialen Auftritt. Was jedoch helfen kann, ist sich davon zu lösen , dass der Account wachsen muss. Es scheint sinnvoll, ehrlich zu ergründen, wofür und wem ihr euch online präsentieren wollt. Meine Fangemeinde zum Beispiel besteht aus Tierfotografie-Liebhabern, die sich von einem Hund auch mal eine feine Prise Ironie unter die Nase reiben lassen. Dabei lässt sich die Zielgruppe nicht konkret charakterisieren, allerdings scheinen allen eine gewisse Leidensfähigkeit immanent. Durch die thematische Trennung in einen Fotoblog mit erlesenen Bildern, ein Tagebuch mit Schnappschüssen und impulsiven Komentierungen sowie einen Blog mit ausführlicheren Themen, komme ich dem Wunsch nach individueller Unterhaltung mit Wiedererkennungswert nach! ... nachhaltige Duftmarke? ... kann ich!

 

Eure Cinny

Wollt ihr mehr über mich wissen, folgt mir gerne auf Instagram: French.breakfast.with.cinnamon


2 Kommentare


  • Cinny

    Liebe Lena,
    leben und leben lassen oder auch gönnen können, sind tolerante Ansätze, die wahrscheinlich jeder als ideelle Werte postuliert. Diese tatsächlich zu leben, fällt hingegen nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Gerade Soziale Medien bieten ausreichend traurige Beispiele.
    Um so mehr freue ich mich jedoch über eine ausgewogene Diskussionskultur. So sehe ich die bezahlten / promoteten Posts, also ein Erkaufen von Reichweite als nicht vergleichbar mit einem Eintauschen von Aufmerksamkeit in Followern-Gruppen.
    Wie du selbst schreibst, steht es dir frei, promotete Posts auf ihre Attraktivität und ihren Informationsgehalt zu bewerten und ggf. zu liken. Diese Wahl hast du in Followern-Gruppen oder Like-Sessions nicht.
    Allerdings gibt es eine durchaus interessante und vielversprechende Entwicklung: Instagram rollt nach und nach die Funktion aus, seine Likes verbergen zu können und auch die Likes der anderen sich nicht anzeigen zu lassen. Damit fällt, wenn genutzt, das Vergleichen weg. Damit stünden die Inhalte wieder mehr im Fokus!
    Deine Cinny


  • Lena

    Im Grunde gebe ich dir recht aber zählt das Bezahlen für Reichweite dann nicht auch dazu 🙈 wenn ich meine Timeline so durchschölle ist jeder 2. Beitrag den ich so sehe gegen Geld für Reichweite beworben. Denke das ist im Prinzip nicht anderes da man oft „aus Versehen“ auch dort auf gefällt mir klickt da einem Beiträge regelrecht aufgezwungen werden 🤣
    Ich sehe in letzter Zeit auch immer häufiger so genannte „Jammer Posts“ in denen Leute andere kritisieren die ihren Account anders führen als man selber es tun würde. Wo ist nur das Prinzip Leben und Leben lassen hin? Wenn mir nicht gefällt wie jemand seinen Account betreibt gibt es viele Möglichkeiten, wie ich diese nicht mehr sehen muss (unfollow, block, etc) warum sich ergiebig in postings auslassen was einem an diesem und jenem nicht gefällt. Ist man damit „Besser“ als diejenigen die man anprangert (Namen natürlich ausgelassen)
    Ich weis ja auch nicht …. ich für meinen Teil verfolge das Prinzip Leben und Leben lassen wie oben kurz aufgegriffen. Wenn es mir nicht gefällt gucke ich es mir nicht an und scroll weiter ☺️ Ein schönes Wochenende


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