"Vom anderen Ende der Leine"

"Vom anderen Ende der Leine"

by Cinnamon

FRENCH-TALK

mit Cinnamon

"Vom anderen Ende der Leine"

So ... da steht er nun, mein Mensch. Konsterniert und verwirrt schaut er mich an. Ich kann förmlich sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitet. Schon drei mal rief er mich, mit drei mal dem selben Ergebnis! Ich sitze gelassen, eine Leinenlänge auf Abstand, schaue demonstrativ desinteressiert in die Gegend und harre der Dinge, die da kommen.

... und während mein Zweibeiner bemüht ist, die Logik meines Verhaltens zu ergründen, kommt mir der Gedanke, dass er dabei vielleicht fachkompetente Hilfe gebrauchen könnte. Wer jetzt allerdings einen weiteren der unzähligen Hunderatgeber von Menschen für Menschen erwartet, denkt eben genauso, wie ihr es tut ... menschlich! Und wohin hat euch das gebracht? Auf den Hund!

 

Ich bin übrigens Cinny, eine klassisch eigensinnige Französische Bulldogge mit einem leichten Hang zu satirischen Überzeichnungen. Als Dame mit Format, mache ich es mir ab sofort jeden Monat zur Aufgabe, genau dem Leinenende eine Stimme zu geben, an welchem wir euch durch unsere Welt führen. Mich wird die feine Klinge der Ironie ebenso begleiten, wie das schwere Breitschwert der Provokation! Warum? ... weil die Menge an Informationen, die täglich auf euch einprasseln nur Herz und Hirn erreichen, wenn sie Emotionen auslösen. So, wie der Blick in den Spiegel, den ich euch gelegentlich vorhalten werde!

 

Zurück zu meinem Menschen. Ich bin immer wieder fasziniert, wie einfach jemand, der in der Menschenwelt alles fest im Griff zu haben scheint, jedes Mal aufs Neue an der Kommunikation mit mir scheitert. Ihr müsst euch mal vorstellen, etwas in die Jahre gekommen, hat er sich bewusst eine Französin ausgesucht. Nee halt, stimmt nicht! Ursprünglich sollte es eine Englische Bulldogge werden, aber die Chefin im Haus hat wohl wissend, das Bulldoggen charakterstark sind, ihr Veto eingelegt. Sie ahnte schon, dass die Diskussionen um Fortsetzung und Richtung gemeinsamer Spaziergänge mit einem deutlich schwereren Hund etwas intensiver werden könnten. Naja, jedenfalls bin ich ein Wunschhund und sollte, so die Idee, meinen im Arbeitsalltag gestressten Menschen „entschleunigen.“ Bei rassetypischen bis zu 17 Stunden Schlaf am Tag und einem überschaubaren Bewegungsradius ist der Gedanke nachvollziehbar. Allerdings  ging mein Mensch mit der Idee an unsere Beziehung, ich würde ähnlich wie die Dalmi-Goldi-Labi-Familienmitglieder vor mir, auf jedes Fingerschnipsen reagieren und alles tun, um ihm zu gefallen.  Ihr seht mich milde lächeln! So ein einnehmendes Wesen hat er nun auch wieder nicht.

 

Sicher merkt ihr bereits, unter diesen Voraussetzungen war Erziehung von Anfang an ein wichtiges Thema. Doch was soll ich sagen, meine Menschen sind gelehrig und mittlerweile haben sie auch die notwendige Gelassenheit, nicht jedesmal gekränkt zu reagieren, wenn ich ihnen ihre Position im Rudel verdeutliche. Seit dem laufen auch unsere Spaziergänge entspannt, solange ich Richtung und Geschwindigkeit vorgebe. Natürlich bedarf das, wie eingangs beschrieben, regelmäßigen Trainings. Brav!

 

Ganz froh bin ich, dass wir auf die Hundeschule verzichten konnten. Bekanntermaßen ist die Begrifflichkeit etwas verwirrend, da dort Menschen von Menschen zu einem Verhalten bewegt werden sollen, dass der Hund-Mensch- Beziehung förderlich ist. Als Idee im Ansatz gut, aber in der Durchführung ein Widerspruch in sich! Stellt euch mal bitte vor, ich würde eine Menschenschule eröffnen, in der ich meinen Artgenossen, die Skills beibrächte, die ihnen den Umgang mit euch erleichtern würden! ... obwohl, jetzt wo ich es ausspreche scheint mir das gar nicht abwegig sondern bemerkenswert innovativ. Stellt euch mal die vielen glücklichen Hund-Mensch-Beziehungen vor, in denen uns gut sozialisierte Zweibeiner ohne Widerstand an der Leine folgen, wir vielleicht sogar auf selbige verzichten könnten! Wie toll wäre es, alle von ihnen so gut zu sozialisieren, dass sie in Begegnungssituationen weder aggressiv noch respektlos reagieren!

 

Tja ihr Lieben, bevor mein Mensch mich jetzt zu einem ekelhaft sauber riechenden Ort mit überzogen freundlichen, aber hinterhältigen Menschen verschleppt, er meint, wer Visionen hat, müsse zum Arzt, werde ich mein bescheidenes Augenmerk auf die neue Aufgabe richten! Als Botschafterin in eigener Sache tue ich das, was uns Frenchies ohnehin nachgesagt wird. Der Philosoph im Clowns- Kostüm möchte euch unterhalten. Wer bis hierhin gelesen und sein Lächeln nicht verloren hat, darf gern wiederkommen!

 

Eure Cinny

Wollt ihr mehr über mich wissen, folgt mir gerne auf Instagram: French.breakfast.with.cinnamon


7 Kommentare


  • Marie

    Sehr humorvoll geschrieben! Kann mir da auch einen super Podcast vorstellen. :)


  • alexa

    ich habe selten so gelacht. Wir fragen uns ja alle mal gelegentlich was unser Hund wohl so denkt und sich mal die Mühe zu machen die Perspektive zu wechseln finde ich genial und super witzig. Ich hoffe da kommt noch mehr, freue mich schon auf den nächsten Blogbeitrag.


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